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Wir brauchen dann erst mal ein Fernglas
Was es mit dieser Überschrift auf sich hat, werdet ihr am Ende dieses Rennberichtes wissen, aber ein kleines Fazit vorweg, für LOS war es ein geiles Wochenende und das begann, mit einem gemeinsamen Mittagessen beim Italiener. Also genau der richtige Auftakt für LOS, denn gut essen, ist neben gut slotten, eines der drei wichtigsten Dinge für unsere Truppe. Dann ging‘s zu fünft, in einem Auto, nach Brüssel. Für Gregor, Willi, Stefan, David und Günter sollte es einer der Höhepunkte der 2010’ner Saison werden. In einem Vorort von Brüssel, Woluwe-Saint-Pierre, lag das Ziel des Wochenendes. Eine Veranstaltungshalle, die im normalen Leben als eine Art Stadthalle dient, war vom BSC (Brüssel Scale Club), für dieses Wochenende, in eine Racing Arena verwandelt worden. Auf ca. 350qm, lagen 133,2m Schienenmaterial, verteilt auf drei achtspurige Bahnen, mit dem gleichen Layout, die jeweils gespiegelt aufgebaut waren. Da brauchten wir das erste Fernglas des Wochenendes.
Ein Schrauberplatz war schnell gefunden und unser Trainingsauto, ein Gruppe C Jaguar, stand bereit, als die Trainingssession eröffnet wurde. Es gab klare Regeln. Fünf Minuten pro Spur, jedes Team hat nur einen Mann auf dem Fahrerstand und die Spurwechsel waren festgelegt. Zum Glück war unser Auto schon im Vorfeld soweit vorbereitet, das es nach unseren Maßstäben „optimal“ lief. Für uns hieß es deshalb in erster Linie, die Strecke kennenlernen und Runden fahren. Leider hatten sich nur 21 Teams eingeschrieben, so das auch nur auf 21 Spuren gefahren wurde. Das hieß, für jeden LOS’ler, im ersten Durchgang, etwas mehr als 5 Minuten Training auf der ersten Bahn. Unsere Bedenken wuchsen, kann das funktionieren? Günter war schon etwas nervös wegen dieser Bedingungen. Der erste Trainigsdurchgang, eine Bahn komplett durchgefahren, beruhigte ihn ein wenig. Keiner unserer Fahrer hatte größere Schwierigkeiten mit der Strecke und das Trainingsauto, benahm sich ganz anständig auf der Schiene. Würde die gleiche Strecke, nur andersherum gefahren mehr Schwierigkeiten machen? Nein, denn auch der zweite Durchgang, jetzt auf Bahn 2, verlief für unser Team positiv und Gregor, schielte schon mal auf die Zeiten der übrigen Mannschaften. Auch die anderen Teammitglieder hatte jetzt die Ruhe, sich ein wenig umzuschauen, wer alles an diesem Wochenende nach Brüssel gereist war. Einige wenige waren uns vom 24h Rennen in Eupen bekannt, aber die Mehrzahl der Franzosen, Italiener, Spanier und Belgier hatten wir noch nie gesehen. Für den dritten Trainingsdurchgang packten wir dann unseren Vorrat an Anglewindergetriebe aus. Nach drei Versuchen hatten wir die für uns beste Übersetzung gefunden und als Bestzeit, eine 12.4 auf der Uhr stehen. Leider stand diese Zeit nur einmal auf der Uhr, denn im Schnitt bewegten wir uns mit Rundenzeiten um 13 Sekunden um den Kurs. In der Pause vor dem Nachttraining, gab es zur Begrüßung aller Teilnehmer, Sekt und kleine Häppchen. Da dieses Rennen ein Lauf zur European Championship war und von Slot it veranstaltet wird, war auch der Eigner, Mauricio Ferrari, selber vor Ort. Nach dem Nachttraining um 21:30 machten wir uns auf den Weg ins Hotel. Etwas außerhalb, in einem Industriegebiet gelegen, bot uns das Etablissement keine Möglichkeit, das Nachtleben von Belgien zu erproben und so mussten wir, mit einem Taxi, in einen, wenige Kilometer entfernten Ort fahren. Das an sich stellte ja kein Problem da, aber keiner der LOS’ler hatte sich die Anschrift des Hotels gemerkt und das sollte noch zum Problem werden. In einem Pub wurde dann gegessen, das eine oder andere Bier getrunken und natürlich über jeden hergezogen, der am Tisch saß. Nach einigen Bier machte uns der freundliche Kellner dann darauf aufmerksam, das der Laden gleich schließen würde. Kein Problem für uns, dann rufen sie uns bitte ein Taxi. Erstaunte Blicke des Kellners, Taxi? Es gibt jetzt kein Taxi mehr, es ist schon zu spät. Erstaunte Blicke bei LOS! Der macht bestimmt nur einen Scherz. Aber der Kellner machte keinen Scherz, es gab kein Taxi mehr. Auf seine Frage, wo denn unser Hotel sei, mussten wir leider mit einem Achselzucken antworten. Hätten wir jetzt ein Fernglass, dann könnten wir vielleicht das Hotel am Horizont finden. Der letzte Tip des Kellerns, es gibt einen Stadtplan, zwei Straßen weiter. Also auf zum Stadtplan, vielleicht gab es dort einen Hinweis auf Hotels. Leicht beschwingt, einige Bier getrunken, bereiteten wir uns auf einen langen Fußmarsch und eine Nacht ohne Schlaf vor. Leider hatte keiner mit dem Scharm vom Champ gerechnet. Das erste Mädel auf der Straße angequatscht, die mit ihrem Bekannten gerade auf dem Heimweg war und sofort einen Volltreffer gelandet. Nach nicht ganz dreißig Sekunden wurde gescherzt, man unterhielt sich über Musik, das Mädel sprach einige Worte deutsch und war bereit, uns ins Hotel zufahren. Nur weil wir so’ne freundliche Truppe wären. Nur, wo war unser Hotel? Ihr glaubt es nicht, aber unsere freundliche Belgierin studiert Touristik und konnte uns, trotz unserer spärlichen Erinnerung weiterhelfen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das freundliche Pärchen für die tolle Hilfe. Nur in einem lag das Mädel falsch, nicht alle deutschen Männer sind groß, blond und tätowiert.
Nach vier Stunden Schlaf war die Nacht vorbei. Aber es gab zum Auftakt des Renntages, viele wissen schon was jetzt kommt, genau, ein ausgiebiges Frühstück. Auf unserem Terminplan für den Rennablauf, waren wir um 9:12 für die technische Abnahme eingetragen. Wir hatten so ausgiebig gefrühstückt, das wir erst um 9:08 in die Halle kamen und unter Aufbietung einer olympiareifen Leistung, um 9:11 am Abnahme Tisch standen. Zur Erklärung, warum wir diese Hektik an den Tag legen mussten. Jede Minute Verspätung bedeutete, Rundenabzug! Für LOS verlief die Fahrzeugabnahme ohne nennenswerte Schwierigkeiten und so konnten wir uns von der anstrengenden Nacht noch ein wenig erholen. Ein bisschen Quatschen mit Italienern, ein paar Scherze bei den Spaniern, die es sich an einer langen Tafel mit Brot, Schinken, Wurst und Wein gut gehen ließen. Bei einer Unterhaltung mit einem der Verantwortlichen des BSC wurde uns dann erklärt, wer an diesem Wochenende am Start steht. Teams mit Werksunterstützung von Scalextric, MB Slot, Racer, Slot It und Teams bei denen die Fahrer Hauptberuflich im Bereich Slotcar arbeiten. An dieser Stelle ein Dankeschön an den BSC für die freundliche Aufnahme und Betreuung, die wir an diesem Wochenende, beim Brüssel-Scale-Club hatten.
Um 15:30 wird es ernst. Ohne einen Meter zu testen, direkt aus dem Parc Ferme, geht es ins Quali. Hoffentlich funktioniert alles, hoffentlich läuft das Auto vorwärts und vor allen Dingen, hab ich die Schleifer richtig eingestellt? Alle diese Fragen, gehen Günter jetzt durch den Kopf. Willi muss ran. Er fährt für LOS das Quali. Fünf Runden, Daumen drücken. Über 13,4 nach 13,0 und am Ende eine 12,8 auf dem Zeiten Monitor, das beruhigt. Als fünfte gefahren und schon zwei Teams hinter uns, die Stimmung steigt. Aber nur kurz, denn die nächsten acht Mannschaften sind alle schneller als wir, wenn auch nur einige Zehntel. Wir haben jetzt neun Teams in einer Sekunde, leider sind wir davon an letzter Stelle. Aber es kommt noch schlimmer, denn jetzt müssen die acht Top Teams ran. Es geht gleich mit einer Zeit unter 12 Sekunden los und das können alle acht toppen. Am Ende fehlen uns auf den Spitzenreiter genau 1,5 Sekunden, unglaublich.
Mit Position 19 im Quali und ein wenig Niedergeschlagenheit geht es um 16 Uhr an den Start zu den 24h von Brüssel. Für uns beginnt Stefan das Rennen auf Bahn C. Er zieht ruhig und mit wenigen Fehlern seine Runden, aber alle anderen auf unserer Bahn sind deutlich schneller. Nach dem Willi sich das System der Rundenanzeige ein wenig näher angeschaut hat, beginnt er zu lächeln, denn wir sind gesamt dreizehnter und das ist Top. Auf dem Zeitnahmemonitor kann man etliche Daten ablesen, so zum Beispiel den Gesamtstand, den Stand in dem jeweiligen Turn, natürlich auch die Rundenzeit aktuell und die schnellste Runde so wie gefahrene Strecke in Kilometer, durchschnittliche Rundenzeit im Turn und vieles mehr. Das alles kann man ohne Fernglas erkennen, denn über zwei Beamer werden die Infos an die Wand projiziert.
Die Führenden legen ein Tempo vor, das ist unwahrscheinlich. Eine unserer Hochrechnungen nach dreißig Rennminuten ergab einen Rückstand auf den Sieger von 500 Runde, aber das kann ja nur ein Rechenfehler sein. Stefan, Günter, David, Gregor und Willi, in dieser Reihenfolge absolvieren wir die ersten fünf Durchgänge und sind mit Rundenzeiten um 12,7sec. immer noch vierzehnte. Das ausgegebene Ziel, die Top Ten, hatten wir schon am Vortag aufgegeben und auf die Position 15 korrigiert. Also voll im Soll. Die Spitze demonstriert dagegen was mit den Vorgaben die das Reglement macht, möglich ist. Eine Sekunde schneller und Autos, die beschleunigen als hätten sie zwei Motoren eingebaut, Kurvengeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse und eine Fahrzeugbeherrschung vom aller Feinsten.
Um 23 Uhr ging es in die Nacht. Günter musste als erster den grünen LOS Jaguar mit den blauen Frontleuten im Dunkeln bewegen und er hatte ein Schlüsselerlebnis. Es geht ja doch. Eigentlich ging der Jaguar sogar besser als noch vier Stunden zuvor, bei seinem ersten Turn. Auch David, Gregor und Willi bestätigten das Gefühl. Willi drückte dabei in seinem Nachtturn die LOS interne Bestzeit auf 12,4. Für Adlerauge David war es nicht dunkel genug um den Vorteil auszuspielen aber auch er konnte deutlich schneller als im ersten Turn. In Günters zweitem Nachtturn wurde dann ein kleines Duell um die schnellste Rennrunde im Team eröffnet. Nach dem Aufziehen neuer Reifen, konnte der alte Mann die Rundenzeit auf 12,2 drücken und brachte sich damit in eine gute Position um den internen Titel. Als Willi nach einer kurzen Schlafpause zu seinem nächsten Einsatz kam, war aber klar, das lässt er nicht so ohne weiteres zu. Auch er ließ neue Reifen aufziehen und begann die Jagt nach der schnellsten Runde. Hunderstel um Hunderstel ging es nach unten, bis die Uhr 12,100sec. anzeigte.
Derweil tobte an der Spitze der Kampf um die Positionen. Die „werksunterstützten“ Teams boten eine Show vom aller Feinsten. Mit maximal drei bis vier Runden Abstand wechselte ständig die Führung.
Aber auch unsere Show ging weiter sowohl intern, bei der Stefan bis auf 1/100 an die Zeit von Willi heran kam, wie auch extern. Von hinten kam mit schnellen Rundenzeiten eines der Heimteams, Gold Leaf Team Imatumi und vor uns verringerte sich der Abstand auf eines der italienischen Teams. Unter diesen Bedingungen musste Gregor leider die Jagt nach der schnellsten Rennrunde abbrechen, schade, aber es kommen ja noch einige Rennen. In der letzten Rennstunde war unser Vorsprung auf Golden Leaf auf 13 Runden geschmolzen und es musste etwas passieren, denn unsere Verfolger waren immer, drei bis vier Zehntel je Runde schneller. Könnten wir den Vorsprung über die Zeit retten, zumal wir auf einer Außenspur unterwegs waren. Ein letzter Reifenwechsel sollte wieder schnellere Runden möglich machen. Drei Runden brauchten wir für den Wechsel und es machte sich bezahlt. Sofort gingen die Rundenzeiten nach unten und wir konnten sogar wieder einige Runden heraus fahren. Aber das interessierte in der Halle nur uns, denn an der Spitze tobte die Luzie! Drei Minuten vor Schluss, 30 Meter (in Worten: dreißig) Abstand zwischen Platz eins und zwei. Dreißig Meter sind ca. 8 Sekunden und der Vorsprung schmolz. Zwei Minuten noch und noch 15 Meter Abstand. Die ganze Halle starrt gebannt auf die Anzeige. Nach 24 Stunden dann der Zieleinlauf und MB Slot gewinnt, mit 8 Meter, bzw. zwei Sekunden Vorsprung. Von LOS einen Glückwunsch an den Sieger für das tolle Rennen. Wir sind am Ende fünfzehnte geworden und haben unser selbstgestecktes Ziel erreicht und sind um die Erfahrung reicher, das die Spitze für uns, dieses mal, nur mit einem Fernglas zu sehen war. Trotzdem war es für uns ein klasse Wochenende, bei dem wir wiedermal als Team funktioniert haben, viel gelernt haben und alle waren sich einig, das die 24h von Brüssel auch im nächsten Jahr für LOS ein Thema sind. Danke an die Macher vom BSC für den klasse Service, die überaus freundliche Betreuung und die offene Art, miteinander umzugehen.
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